Klingt so einfach und ist doch so schwierig. Das
Unternehmen als Marke, die Marke im Mittelpunkt des Unternehmens.
So ist es im Idealfall, und trotzdem führt in Deutschland
das Thema Marke in vielen Branchen ein Schattendasein. Woran liegt
das? Über Marken und Markenarbeit sind die Vorstellungen
vielfältig, das Wissen nicht ausgeprägt. Markenarbeit
findet oftmals nur in Fragmenten statt. Markenstrategien, wenn
es sie denn gibt, sind nur von kurzer Dauer, die Umsetzung erschöpft
sich vielfach nur in Gestaltungsansätzen ohne Inhalt und
Werte erklärende Botschaft.
Dabei rückt das Thema Marke in der Unternehmensbewertung
immer mehr in den Vordergrund. Die neueste Studie der GFK sagt,
dass die Marke im Durchschnitt 66% des Unternehmens-wertes ausmacht.
Natürlich sind hier die Konsumgüter-unternehmen mit
69% Spitzenreiter, aber auch Industriegüter-unternehmen haben
erkannt, dass für technische Produkte die Marke eine ganz
entscheidende Rolle spielt. Immerhin macht der Markenwert auch
bei diesen Unternehmen schon 30% aus. Tendenz steigend. Trotzdem
haben viel zu wenig, vor allem mittelständische Unternehmen,
die Marke als Chance zur langfristigen Erfolgssicherung erkannt.
Das Wissen über Markenführung und Bewertung der Marke
bei Ratings fester Bestandteil. Das wird mehr und mehr auch bei
uns in Deutsch-land so werden. Dabei ist es sogar so, dass eine
eindeutige Markenstrategie nicht nur den Unternehmenswert steigert,
sondern auch Marketingbudgets deutlich effizienter gestaltet.
Es spielt keine Rolle, ob hinter einer Marke Konsumgüter,
Investitionsgüter oder Dienstleistungen stehen, das Einzige
was zählt, ist der Wille, einen dauerhaften Markenbildungs-prozess
einzuleiten. Dazu müssen wir aber ein gemeinsames Verständnis
für die Marke entwickeln. Bei einigen beginnt das Thema Marke
mit der Entwicklung eines Logos und hört damit auch schon
wieder auf. Auch ein Corporate Design ist zunächst nur visueller
Ausdruck eines Unternehmens und gewinnt erst an Leben, wenn es
eine langfristige Markenbotschaft vermittelt. Marke ist aber viel
mehr. Marke fängt in den Köpfen der Ent-scheidungsträger
an und muss tagtäglich auf allen Ebenen des Unternehmens
neu gelebt werden.
Die Marke ist immer Ausdruck einer langfristig angelegten Unternehmensphilosophie.
Basis dieser Unternehmens-philosophie ist der Markenkern, der
das Unternehmen aus der Vergleichbarkeit herausnimmt und langfristig
ausrichtet. Der die Frage beantwortet „Weshalb soll ich
mich für ein Unter-nehmen, ein Produkt entscheiden?“.
Und der die Antwort anschließend auf eine Botschaft verdichtet,
denn welcher Kunde kann sich seitenlange Philosophien merken?
„Freude am Fahren“, wer kennt sie nicht, die jahrzehntelang
geprägte und bis heute gelebte Markenbotschaft von BMW. Konkret,
ehrlich und klar ist sie der rote Faden, an dem sich eine Weltmarke
orientiert. An diesem Beispiel lässt sich auch gleich ein
weiteres Erfolgskriterium erfolgreicher Markenarbeit erklären.
Die Kontinuität. Keine jährlich wechselnden neuen Botschaften,
keine neuen Logos, keine neuen Claims (denn der Claim basiert
immer auf dem Markenkern), keine aktionistischen Kampagnen ohne
Bezug zum Markenkern. Kontinuität und Konsequenz sind angesagt.
Konsequenz in der Umsetzung, die sich durch das gesamte Unternehmen
zieht. Was nützt die schönste Werbekampagne, wenn die
Botschaft nicht im gesamten Unternehmen gelebt wird. Wenn die
Produkte nicht halten, was die Werbung verspricht. Was wäre
„Freude am Fahren“ wenn der Service nicht stimmen
würde. Die Dame in der Telefonzentrale unfreundlich wäre.
Wie viele Unternehmen gibt es, wie viele Marken, die Kundenfreund-lichkeit
kommunizieren und uns per Anrufbeantworter mitteilen, dass die
Geschäftszeiten von 8.30 bis 16.30 gehen. Es nutzt die schönste
Kampagne nichts, wenn die Marke nicht gelebt wird, der Markenkern
intern gar nicht kommuniziert wird. Und wenn sich dann der Erfolg
nicht einstellt, muss eine neue Werbekampagne herhalten oder die
Agentur wird gewechselt. Marke kann von Außen nur initiiert
und in der Kommunikation umgesetzt werden, gelebt werden muß
sie von innen, vom Unternehmen selbst. Deshalb ist Markenkommunikation
nur erfolgreich in einer gelebten Partnerschaft zwischen Kunde
und Agentur. Sie erfordert Vertrauen und den Blick fürs Ganze.
Sie erfordert den Mut, Bestehendes in Frage zu stellen und den
festen Willen, einen definierten Markenkern dauerhaft zu leben.
Gerade für mittelständische Unternehmen
ist richtige Markenpolitik eine Chance Wachstum und Ertrag auch
in schwierigen Zeiten und unter einem globalen Wettbewerb zu sichern.
Sie hebt Unternehmen und Produkt ab. Sie schafft Vertrauen und
Loyalität.
Wesentlich für den Markenprozess ist es zu wissen, wer man
ist, was man zu bieten hat und worin man sich unterscheiden will.
Hierüber gilt es Klarheit zu gewinnen und in einem gemeinsamen
Prozess mit der Markenagentur Markenkern und Markenbotschaft zu
formulieren und dauerhaft umzusetzen. Wenn die Markenstrategie
vor der Werbestrategie steht, dann stellt sich auch der Erfolg
ein.
Birger W. Hetzinger
Geschäftsführender Gesellschafter Dongowski & Simon
GmbH
Agentur für Markenkommunikation GWA
Vorstand im Kommunikationsverband/Club Stuttgart
Vorstandsmitglied der internationalen Gutenberg-Gesellschaft